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Kurzpredigt für Sonntag 10.01.2021 - Beginn der Allianzgebetswoche

Der Predigttext steht in Lukas 8, 4-15 – es ist das Gleichnis vom vierfachen Ackerfeld.

 

Liebe Geschwister, in diesem Gleichnis greift Jesus die Alltagserfahrungen der Bauern im damaligen Palästina auf. Es geht um Saat und Ernte und um günstige und ungünstige Bedingungen, die mehr oder weniger Ertrag bringen. Vor allem aber wird reichlich ausgesät.

 

Genauso reichlich – sagt Jesus seinen Zuhörern – wird auch der Samen des göttlichen Wortes ausgestreut. So spricht Gott seit vielen tausend Jahren zu den Menschen – durch die Propheten und Apostel und vor allem auch durch seinen Sohn Jesus Christus. Und ich habe in unserer Zeit den Eindruck, dass sich diese Aussaat in den letzten Monaten noch vergrößert hat – trotz eingeschränkter Kontakte und geringer Zahlen von Gottesdienstbesuchern. Denn gerade deshalb haben viele nach Alternativen gesucht, um Gottes Wort zu den Menschen zu bringen. Sei es durch digitale Gottesdienste, die im Netz verbreitet oder abgerufen werden können, sei es durch Clips, die auf Smartphones weitergegeben werden, sei es durch schriftlich verfasste Predigten, die durch Verteilung über Briefkästen oder persönlich ihren Empfänger erreichen. Und auf diese Weise gelangt Gottes Wort zu den Menschen, die jetzt zum Schutz ihrer Gesundheit die Gemeinschaft der Gemeinde meiden, und sie haben auch mein vollstes Verständnis dafür – aber auch zu Menschen, die sich sonst kaum in eine Kirche bewegen lassen. So gebraucht Gott auch heute Menschen und die digitalen Möglichkeiten, damit der gute Samen seines Wortes reichlich ausgestreut werden kann.

 

Doch wie hoch sind eigentlich die Erfolgsaussichten? Denn etwas zu hören oder zu lesen, heißt noch lange nicht, es auch verstanden zu haben. Und schon gar nicht, sein Handeln danach auszurichten. So begegnen uns auch heute dafür ungünstige Bedingungen: Interessenlosigkeit, Anpassungsvermögen oder Zeitmangel. Vielleicht habt Ihr ja auch schon das eine oder andere Argument in diese Richtung gehört. Was all diese Argumente gemeinsam haben, ist das fehlende offene Herz, sozusagen das gute Land, das reichlich Frucht möglich macht.

 

Sind wir als solche, die bewusst Christen sein wollen, diesem guten Lande vergleichbar? Oder müssen wir uns eingestehen, dass es auch in unserem Herzen durchaus ein Stück von diesem steinigen Acker gibt, auf dem das Wort Gottes im Keim erstickt? Im Allianzheft lässt sich heute dazu lesen, dass geistliche Übungen wie Stille und Gebet sozusagen als Gartengeräte uns dabei helfen können, unseren Herzensboden von Beeinträchtigungen freizuhalten und so Raum zu schaffen für den Samen Gottes.

 

Wie schon gesagt, ausgestreut wird es auch in unserer Zeit reichlich. Welcher Anteil davon auf gutes Land oder besser gesagt auf offene Herzen trifft, wissen wir nicht. Durch das Gleichnis macht Jesus ja auch ganz deutlich, dass nicht jeder Same die entsprechende Frucht bringen wird. Und dass solcher Misserfolg nicht mangelndem Einsatz zugeschrieben werden muss. Immer wieder ist in der Bibel auch davon die Rede, dass Menschen mit hörfähigen Ohren nicht hören. Und dabei liegt diesem Nicht-Hören nicht einfach Begriffsstutzigkeit zugrunde. Es scheint wohl Wahrheiten zu geben, die mehr beanspruchen als unseren Verstand.

 

Doch wie es auch in unserem Garten passieren kann, dass an einer Stelle etwas aufgeht, wo wir es nicht erwartet haben, so kann das auch für das Wort Gottes gelten. Unerwartet kann es ein Herz treffen, von dem wir es womöglich nie erwartet hätten, und darin Frucht hervorbringen.

 

Letztlich hängt es nicht von uns ab, was aus dem ausgestreuten Samen wird. Aber wir können alle Verkündigung im Gebet begleiten und Gott bitten, dass er viele Herzen öffnet und unsere Herzen offenbleiben lässt, damit wir seine lebensspendende und lebensschaffende Kraft in unserem Leben erfahren dürfen durch sein Wort, das immer wieder neu zu uns spricht. Dann erfahren wir das Thema der diesjährigen Allianzgebetswoche für uns ganz persönlich: „Lebenselixier Bibel“. Amen.

 

 

Liedvorschlag: Gesangbuch Nr. 417 „Herr, für dein Wort sei hoch gepreist“