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Kurzpredigt für Sonntag, 11. Juli 2021, Bezirk Raschau

 

Predigttext: Matthäus 28,16-20

 

Liebe Geschwister, der Predigttext führt uns auf einen Berg. Und das ist bei Matthäus immer wieder ein besonderer Ort der Gottesoffenbarung und Gottesnähe. Auch diesmal traf sich dort Jesus mit elf seiner Jünger, der zwölfte, Judas, lebte inzwischen nicht mehr. Einige von diesen Elf „zweifelten“. Zwar nicht an Jesu Auferstehung, aber daran, ob sie weiterhin seine Jünger werden sein können.

 

Schließlich steht ihnen nun eine Zeit ohne die direkte Gegenwart mit ihrem Herrn bevor. Sie werden nur noch im Gebet mit ihm reden können. Das lässt manchen von ihnen unsicher werden. Erkennen wir uns auch heute manchmal in diesen zweifelnden Jüngern wieder? Vielleicht dann, wenn wir sorgenvoll auf die Entwicklung von Kirche und Gemeinde blicken?

 

Auf alle Fälle aber machen uns die zweifelnden Jünger deutlich, dass wir als Christen nicht über alle Zweifel und Ängste erhaben sind. Wer das behauptet, wird wohl ganz schnell unglaubwürdig. Andererseits kann die Echtheit im Glauben auch durch Schwachheit und Versagen gekennzeichnet sein.

 

Denn gerade darin tröstet Jesus die Jünger und uns mit den Worten: „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden.“ Damit stehen sein Wort und sein Wille hinter allem, was geschieht, und darum müssen die Jünger damals und wir heute keine Angst haben. Der Auferstandene baut auch heute seine Kirche – gerade auch mit seinen geschwächten Nachfolgern.

 

Dazu ist uns der Heilige Geist geschenkt. Auch wenn er nicht unserem menschlichen Willen verfügbar ist, sondern tut, wozu Gott ihn sendet. Auch wenn er also „weht, wo er will“, konnten seitdem viele Menschen seine Wirkung erfahren. Erkannt wird das meistens erst viel später, wenn auf bestimmte Situationen zurückgeschaut wird. Und doch ist er da und wirkt: an Menschen, an politischen Verhältnissen, an Gesellschaften.

 

Zwar können wir ihn nicht mit Sicherheit belegen oder beweisen, manchmal ist es nur ein kleiner Hinweis oder eine Ahnung. Zum Beispiel bei einem Wunsch, den ich jahrelang in mir getragen habe und der dann doch noch in Erfüllung geht. Oder wenn ein Mensch einen Schicksalsschlag verkraften muss, viele Tränen weint und lange damit belastet ist, dann kann er vielleicht später erkennen, wie der Heilige Geist Gottes gerade durch diese Zeit geholfen und getragen hat und vielleicht sogar in das Leid und das Schwere etwas Segensreiches hineingelegt hat.

 

Doch auch wenn es darum geht, den Auftrag Jesu zu erfüllen, wird die Kraft des Heiligen Geistes gegenwärtig sein: „Macht zu Jüngern alle Völker und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe!“ Diesem Auftrag Jesu kann ich nicht nur gerecht werden, wenn ich mich als Missionar aussenden lasse. Sondern auch an meinem Platz, an den Gott mich gestellt hat. Gerade da bin ich mit Jesus Christus und für seine Sache unterwegs.

 

So wie die Jünger, die damals nach dem Auftrag auch wieder vom Berg heruntergingen in die Tiefe des Alltags. Sie sollten dorthin gehen, wo die Menschen leben, arbeiten, lieben und leiden. Gerade dort soll ihnen Jesus begegnen, und deshalb braucht er auch dort seine Nachfolger – bis heute. Er will mit uns unterwegs sein in unserem Familien- und Freundeskreis, in unseren Schulen und Arbeitsstellen, und überall dort, wo es uns gerade hin verschlägt.

 

Dabei werden wir die anderen nicht von unserem Glauben überzeugen können, indem wir ihn ihnen überstülpen, sondern sie mit unserem Leben und unserer ganzen Lebenseinstellung neugierig darauf machen. Wenn wir ihnen mit dem Glauben auf den Wecker fallen, würden wir vielleicht das Gegenteil erreichen. Wenn wir aber zeigen, wie wir leben, denken, reden, handeln und uns positionieren – gerade auch in den Herausforderungen unserer Zeit – dann wird es uns eher gelingen, unseren Glauben verbreiten zu können.

 

Auf diese Weise können wir den Auftrag Jesu erfüllen. Und ER wird bei uns sein alle Tage, so wie ER es gesagt hat. Neben dem Zuspruch Jesu aus dem Predigttext steht in dieser Woche auch der Zuspruch aus dem Buch des Propheten Jesaja: „Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein.“ (Jes 43,1)

 

Mehr brauchen wir eigentlich auch nicht. Denn auch die Jünger damals auf dem Berg bekommen nichts in die Hand. Keine Sicherheit wird ihnen garantiert, kein glatter Lebenslauf wird ihnen versprochen. Aber sie bekommen die feste Gewissheit: Jesus Christus ist alle Tage bei ihnen, auch wenn sie ihn nicht mehr leibhaftig vor sich sehen können. Das gilt bis heute – auch für uns – und bis zum Ende der Welt. Amen.

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