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Kurzpredigt für Sonntag, 6. Juni 2021


Der Predigttext sind diesmal die ersten beiden Kapitel aus dem Buch des Propheten Jona.


Liebe Gemeinde, ein Mensch, genannt Jona, bekommt einen Auftrag von Gott. Und dieser Auftrag gefällt ihm gar nicht. Nach Ninive, in die Hauptstadt des assyrischen Weltreichs, soll er gehen und dort den Menschen sagen, dass Gott ihr Lebenswandel überhaupt nicht gefällt. Das will sich Jona aber keinesfalls antun. Lieber macht er sich in die entgegengesetzte Richtung aus dem Staub, sozusagen bis ans Ende der damals bekannten Welt. Und dort wird ihn Gott schon aus den Augen verlieren.


Ich bin weit davon entfernt, Jona dafür zu kritisieren. Im Gegenteil – ich kann ihn gut verstehen. Ich würde mich wohl genauso mit Händen und Füßen sträuben, wenn Gott mir einen solchen Auftrag gibt: irgendwohin zu gehen, wo sich niemand für Gott interessiert, und dort vor Gottes Zorn zu warnen und für einen solchen Ort, an dem ich mich ganz bestimmt nicht wohlfühlen würde, noch von einem Tag auf den anderen alles stehen und liegen zu lassen: mein Zuhause, meine Familie. Da würde ich wohl auch am liebsten abtauchen…


Und liebe Gemeinde, wie würde es Euch damit gehen? Würdet Ihr voller Begeisterung losziehen – oder doch auch nach Auswegen suchen? Aber machen wir das nicht sogar ganz oft im Leben? Es geht ja nicht nur um die großen Aufträge, die Gott den Menschen zeigt. Ich denke dabei an die, die sich aussenden lassen in die Mission, um den Menschen vor Ort zu helfen.


Aber Gott beauftragt uns ja auch mit ganz vielen kleinen Dingen in unserem Alltag, zum Beispiel, wenn es darum geht, seine Erde zu bewahren und den Nächsten so zu lieben wie sich selbst. Flüchten wir uns da nicht auch schnell einmal in Ausreden oder suchen nach Auswegen, wenn es darum geht, auf Nachhaltigkeit zu achten oder sich Zeit zu nehmen für den unbequemen Mitmenschen, der meine Hilfe braucht? Wie oft schieben wir unangenehme Aufgaben oder unbequeme Gespräche vor uns her – manchmal sogar in der Hoffnung, dass es sich von selbst erledigt.


Jonas Auftrag erledigte sich jedenfalls nicht von selbst. Und dazu musste er auch noch lernen, dass eine Flucht vor Gott nicht möglich ist, nicht einmal schlafend ganz unten in einem Schiffsrumpf. Denn schon zieht ein Sturm auf, dem die verzweifelten Versuche der Besatzung nichts entgegensetzen können. So bekennt Jona schließlich Farbe und landet bald darauf im Meer, zuletzt im Magen eines Fisches.


Nun hat er tatsächlich erst einmal Ruhe. Wir könnten auch sagen: Jona ist im Lockdown. Wie lange wird er dauern? Und wie wird es sein, wenn er da lebend herauskommen sollte? Ist dann wieder alles wie vorher? Die Ruhe bringt Jona schließlich zum Nachdenken und führt ihn schließlich in ein Gebet. Die Ruhe führt Jona wieder zu Gott hin. Und Jona, der eigentlich vor Gott geflohen war, sehnt sich gerade jetzt wieder nach ihm. Was für eine Kehrtwende!


Kennen wir so etwas aus eigenem Erleben? Da wurde mir Gottes Anspruch an mich im Alltag zu viel, und ich wollte eigentlich nur noch meine Ruhe. Und dann bekommen wir diese Ruhe – vielleicht durch eine Krankheit, vielleicht durch Kurzarbeit, vielleicht durch Quarantäne, vielleicht durch den Tod des Menschen, der bisher meine ganze Aufmerksamkeit bekam, vielleicht durch den Lockdown – und können unsere Situation reflektieren und merken gerade dann, wie sehr wir Gott doch brauchen?


Jona war davon überzeugt, dass Gott ihn retten wird, damit er seinen Auftrag erledigen kann. So wurde aus ihm ein Verkünder Gottes, der verspricht, Gott zum Dank sein Opfer zu bringen, und zugleich bekennt: Der Rettungswille Gottes ist immer ein Hoffnungsanker. Die Rettung darf Jona dann auch gleich am eigenen Leib erfahren: er wird an Land ausgespuckt.


Beeindruckend ist für mich am Gebet des Jona, dass er nicht nur um Hilfe und Rettung schreit, sondern schon mitten in der Not den Dank für die Rettung Gott gegenüber zum Ausdruck bringt, weil er darauf vertraut, dass sie geschehen wird. Ist unser Vertrauen Gott gegenüber so groß, dass wir ihm in der Not, in der Krankheit, in der Einsamkeit, in der Trauer, in der Existenzangst schon danken können für die zu erwartende Hilfe? Ich hoffe es und wünsche es uns allen. Jonas Gottvertrauen ist in der Krise gewachsen – unseres auch? Amen.

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